Krupp-Syndrom: Diagnose
Krupp-Syndrom
Definition
Mit Dyspnoe verbundene, entzündlich und/oder allergisch bedingte Obstruktion der oberen Atemwege; zum Krupp-Syndrom gehören
Subglottische Laryngotracheitis
Syn. "Pseudokrupp"; obstruierende Schleimhautschwellung im subglottischen und trachealen Bereich
Diphtherie-Krupp -Meldepflicht!
Syn. "Echter Krupp"; durch Ablösung diphtherischer Pseudomembranen verursachte, akute Stenosierung in Kehlkopf und/oder Trachea
Epiglottitis
Syn. supraglottische Laryngotracheitis; phlegmonöse, bakteriell bedingte Entzündung des Kehldeckels
Masern-Krupp
Als Masern-Komplikation auftretende, oft ulzerierende Laryngitis mit oder ohne begleitendem Larynxödem
Subglottische Laryngotracheitis
Häufigkeit
- Akute Form: häufig, jahreszeitlicher Gipfel im Spätherbst: typisches Manifestationsalter 6 Monate bis 3 Jahre (ältere Säuglinge und Kleinkinder, Knaben > Mädchen)
- Maligne und spasmodische Form: selten, saisonunabhängig; typisches Manifestationsalter 2-6 Jahre
Einteilung
- Akuter ("einfacher") Krupp
- Rezidivierender, sog. "spasmodischer" Krupp
- Maligne Laryngotracheitis
Ätiologie
Akute Form
meist Parainfluenza- oder RS-Viren
Spasmodische Form
Viren und/oder allergische Reaktion, rezidivierend, oft Atopiker, bei denen sich später obstruktive Atemwegserkrankung (z.B. Asthma bronchiale) entwickelt
Maligne Form
Superinfektion primär viraler Laryngotracheitiden durch Bakterien, v. a. H. influenzae, Streptokokken
Bei akutem und spasmodischem Krupp wirken möglicherweise Klimaeinflüsse (Frontendurchzug) und Schadstoffbelastung der Luft manifestationsfördernd.
Anamnese
Akute Form
Zunächst oft Zeichen eines banalen Atemwegsinfektes mit subfebrilen Temperaturen, dann im Laufe des Abends oder der ersten Nachthälfte zunehmende Heiserkeit, bellender Husten, inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), anfangs v.a. bei Aufregung, Unruhe, später Atemnot, evtl. auch exspiratorische Komponente
Spasmodische Form
Wie oben, jedoch Beginn oft ohne Prodromalstadium ("aus heiterem Himmel"); häufig positive Familienanamnese für Inhalationsallergien
Maligne Form
Beginn wie oben, jedoch nach 2-7 Tagen erneute Verschlechterung mit hohem Fieber, retrosternalen Schmerzen, oft rasch zunehmender Dyspnoe
Symptome
Akute Form
- Phaseneinteilung nach Symptomatik siehe Tabelle; oft leichtes bis mittelgradiges Fieber; Dauer 1-2 (-3) Tage, Verschlechterung in Abend- und Nachtstunden
- laryngotracheoskopisch Rötung und Schwellung der Mukosa
Spasmodische Form
Wie oben, jedoch meist leichterer Verlauf, kürzere Dauer, seltener Fieber
Maligne Form
- Wie oben, jedoch meist lebensbedrohlicher Verlauf, hohes Fieber; oft metallisch klingender Husten und eitrig-borkiger Auswurf; bei pulmonaler Beteiligung exspiratorischer Stridor, Tachypnoe, RG's
- laryngotracheoskopisch Ulzerationen mit fibrinösem Exsudat, Schwellung, Sekret, Membranbildung. Evtl. Intubation erforderlich, evtl. mit extensiver Bronchialtoilette
Stadieneinteilung der subglottischen Laryngitis
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Phase I Bellender Husten Phase II Stridor, Einziehungen im Jugulum und Epigastrium Phase III Stridor, zusätzliche Einziehungen der seitlichen Thoraxpartien, Atemnot, Tachykardie, Hautblässe, Unruhe, Angst Phase IV Stridor, maximale inspirat. Einziehungen, höchste Atemnot, Puls klein, frequent, Zyanose, Sopor
Diagnostik
Akute Form
keine; nur im Zweifelsfall (Differentialdiagnose Epiglottitis!) Laryngoskopie in Intubationsbereitschaft; keine Spatelinspektion des Rachens (Gefahr des Reflextodes)
Spasmodische Form
eventuell Allergietestung (vor allem bei gleichzeitig bestehendem Asthma bronchiale oder entsprechender Familienanamnese)
Maligne Form
- Laryngotracheoskopie in Intubationsbereitschaft
- nach Therapieeinleitung Infektionsdiagnostik inkl. Blutkultur, Trachealabstrich
- Röntgen-Thorax
Differentialdiagnose
Epiglottitis (siehe unten), Fremdkörperaspiration, Glottisödem, auch als allergische Manifestation (Quincke-Ödem, Insektenstich), Larynxödem, tetanischer Laryngospasmus, retropharyngealer Abszess, Diphtherie-Krupp
Differentialdiagnose des Krupp-Syndroms(nach SCHULTE, SPRANGER; Lehrbuch der Kinderheilkunde)
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Charakteristika Subglottische Laryngitis (Viraler Krupp) Spasmodischer Krupp Supraglottische Laryngitis (Epiglottitis) Lebensalter 6 Monate-3 Jahre 2-6 Jahre 2-6 Jahre Häufigkeit häufig weniger häufig weniger häufig Ätiologie Viren (Parainfluenza) Allergien, Viren Bakterien (Hämophilus influenzae) Stimme heiser heiser kloßig Husten bellend bellend selten Stridor vorhanden vorhanden nicht so ausgeprägt Dysphagie fehlt fehlt häufig Ateminsuffienz selten fehlt häufig Körperhaltung jede jede sitzend, nach vorne gebeugt, mit dem Kopf im Nacken Leukozyten normal normal stark erhöht Verlauf meist gutartig, Besserung innerhalb von 3 Tagen gutartig Besserung nach Stunden progredienter Verlauf mit meist rasch einsetzender Symptomatik
Komplikationen/Prognose
- Akute und spasmodische Form: gute Prognose, nur sehr selten intubationspflichtige respiratorische Insuffienz
- Maligne Form: Gefahr des Erstickungstodes; Pneumonie, Sepsis
Merke
- Kind beruhigen, schmerzhafte Manipulationen vermeiden
- Keine Spatelinspektion des Rachens ohne Intubationsbereitschaft, da Gefahr des Reflextodes
- Relativ harmlose, akute Form kann durch Superinfektion in gefährliche maligne Form übergehen
Epiglottitis
Definition: siehe oben
Häufigkeit
Zwanzigmal seltener als subglottische stenosierende Laryngotracheitis; saisonunabhängig, typisches Manifestationsalter 2-6 Jahre (v.a. Kleinkinder)
Ätiopathogenese
- oberhalb der Glottis, wenn auch unterhalb, dann meist sekundär, verläuft langsamer
- Phlegmonöse Entzündung im Rahmen einer Allgemeininfektion (positive Blutkultur); oft verbunden mit Meningitis
- Auslöser meist Hämophilus influenzae, Staphylokokken oder Pneumokokken
Anamnese
- Meist Stunden dauerndes Prodromalstadium mit Schluckbeschwerden (Schmerzen meist in Ohren ausstrahlend), ständigen Schluckbewegungen, Speichelfluss, kloßiger Sprache; kein Husten
- Dann rasche Verschlechterung mit hohem Fieber, rasch zunehmender Dyspnoe, wird schnell bedrohlich
Symptome
- Klassische Trias: Pharyngitis, Dysphagie, Dyspnoe
- 1. Symptom Schluckschmerz (Speichelfluss und Nahrungsverweigerung bei Kleinkindern); kloßige Sprache
- Hohes Fieber, toxischer Aspekt, Schocksymptome (Tachykardie, schwacher Puls etc.), Unruhe oder später Bewusstseinstrübung, sitzende Haltung mit vorgebeugtem Oberkörper und weit geöffnetem Mund
- Inspiratorische Dyspnoe mit starken thorakalen Einziehungen, Blässe oder Zyanose, Tachypnoe, bei Erschöpfung Bradypnoe; meist nur mäßiger inspiratorischer Stridor, exspiratorisches Röcheln (sog. "Karcheln")
Diagnostik
Klinische Blickdiagnose; Sicherung durch Laryngoskopie in Inhalationsnarkose; keine Spatelinspektion des Rachens ohne Intubationsbereitschaft.
Vor Therapieeinleitung (siehe unten) Infektionsdiagnostik mit Blutkultur, Rachen-Abstrich, möglichst auch Liquoruntersuchung (Zellzahl, Zucker, Eiweiß, Bakteriologie, mikroskopisches Präparat).
Differentialdiagnose
siehe unter subglottische Laryngotracheitis (siehe oben)
Prognose
Ohne rechtzeitige Therapie meist infauster Verlauf
Merke
- Bei Verdacht sofortige Klinikeinweisung, Transport mit Arzt
- Ohne Intubationsbereitschaft keine schmerzhaften Manipulationen, keine Spatelinspektion, keine Sedativa
- Bei Ateminsuffizienz außerhalb der Klinik möglichst Maskenbeatmung






